Vom Hosenträger zum Luxusturbo, der Audi 100 Typ 43

Aus dem Straßenbild ist der Typ 43 verschwunden. Auch die in den Garagen gepflegter Einfamilienhäuser schlummernden Rentnerautos werden zusehends rarer. Zeit, sich die letzten Exemplare zu sichern, bevor auch sie den Weg gen Ostblock antreten…Mit hohen Ansprüchen trat Audis Typ 43 im Jahrhundertsommer 1976 an: Er sollte ein Mercedes für die Mittelklasse sein, aber günstiger im Unterhalt und der Anschaffung. Letztere blieb auch deshalb unter Mercedes-Niveau, weil die Ingolstädter bei der Entwicklung etwa der Bremsen und der Hinterachse auf Lösungen zurückgriffen, die sich bereits im Vorgängermodell bewährt hatten. Die größte technische Innovation war der Fünfzylindermotor, der auf den bekannten 1,6-Liter-Vierzylindern der Reihe 827 aufbaute.  

 

 

 

Anfangs mit großer Skepsis von der Fachwelt aufgenommen, bewiesen gerade diese Motoren die Langlebigkeit der ungewöhnlichen Konstruktion. Bald gewann der Audi etliche Vergleichstests und schnitt auch im Dauertest der auto, motor und sport gut ab.. Als zweite Neuerung bot Audi ab Mitte 1977 den Lifestylekombi Avant an. Die Schräghecklimousine sollte die Vorzüge eines Kombis mit dem Luxus einer Mittelklasselimousine kombinieren und war aus optischen Gründen kurioserweise ein paar Zentimeter kürzer als das Stufenheck-Pendant. Hier war Audi Trendsetter für ein Konzept, das bald weite Verbreitung finden sollte.  

 

Ein Jahr später folgten als Erweiterungen der 5S, der den 115-PS-Vierzylinder ablöste, der etwas müde, aber sparsame 5D mit Fünfzylinder-Dieselmotor sowie die gehobene Ausstattungsvariante CD.

 

 

 Zum Modelljahr 1980 kam das erste Facelift und mit dem Audi 200 gleichzeitig der nächste Schritt in die automobile Oberklasse. Der basierte auf dem 100 und hob sich durch dezent mattierte Aluzierleisten, kleine Doppelscheinwerfer und serienmäßigen Luxus wie elektrische Fensterheber, Servolenkung, Veloursausstattung, Colorverglasung und vier Scheibenbremsen (später auch Klima, ABS, Tempomat) vom Standardmodell ab. Als besonderes Schmankerl kam der frisch entwickelte 2,1-Liter-Turbomotor mit 170 PS als Topmotorisierung unter die Motorhaube.   

 

Parallel dazu lancierte Audi einen neuen 1,9-Liter-Fünfzylinder, und ausgerechnet für den US-Markt wurde dem Selbstzünder per Turbo mehr Leben eingehaucht. Der Beginn 1976 Im August 1976 wurde nach 8 Jahren Bauzeit die erste Audi 100 Serie abgelöst. Diese hatte es geschafft, eine Marke im Mittelfeld zu plazieren und dem übermächtigen Mercedes in Sachen Qualität und Angebot Paroli zu bieten. Also war es an der Zeit, für die Audi Konstrukeure wieder ein neues Modell zu präsentieren. Größer, kantiger, komfortabler wurde die im August 1976 vorgestellte Audi 100 Limousine. Zuerst wurde die neue Audi-Oberklasse nur als Viertürer präsentiert. Aber nach Art des Hauses wurde bald darauf, im Februar 1977, der Zweitürer nachgeschoben. Ein Basismodell kam nach Audipreisliste als Audi 100 mit 85PS 1588ccm Motor und L Ausstattung auf DM15.630,-- und in der damaligen Vierzylinder-Zwoliterversion 115 PS und GLS-Ausstattung auf DM 17.250,-. Lieferbar waren ein 4-Ganggetrieb oder ein Automaticgetriebe, den fünften Gang gab es erst ab August 1979 auf Wunsch. Obwohl sich der Vierzylinder-2Liter Motor hervorragend verkaufte, wurde alsbald, genauer im April 1977, der Fünfzylinder als 136 PS Einspritzer mit 2144 ccm Hubraum eingeführt. Daß dies so lange dauerte - schließlich sollte der 5-Zylinder bereits bei der Markteinführung präsent sein - lag im Motorlauf, der im Gegensatz zum Sechszylinder etwas rauer wirkte. Dieser kräftige Sound machte aber gerade den Charakter eines Typ 43 Audis aus Als GL 5E kostete das Spitzenmodell bei der Präsentation satte 19.350,-- DM. In die USA wurde dieser auch in einer abgemageten Kat-Version mit 107PS als Audi 5000 geliefert.

 

Der Avant 1977  

Als weitere Neuerung kam 1977 dann noch der Avant heraus, der in allen Motorisierungsvarianten zu haben war. Dieser Edelkombi war dank seiner variablen Rückbank in der Lage, großvolumige Gegenstände bequem und schnell zu transportieren. Der Radstand verringete sich von 4965 mm auf 4607 mm, ansonsten blieb alles gleich. Die Heckklappe wurde von zwei starken Dämpfern gehalten und ließ sich bequem mit einem versteckten Griff öffnen. Die Hubablage war stabil und in der Führung in verschiedenen Stellungen rastbar und herausnehmbar. Rechts und Links waren kleine Taschen für Werkzeug und Heckwischwasserbehälter. Da nun auch immer stärker der kleinere 115PS Audi mit 5-Zylindermotor gefordert wurde, machte man sich bei Audi daran, in über 100 Versuchsfahrzeugen den 2 B 2 Vergaser aus dem 85PS Motor mit der großen Fünfzylindermaschine zu kombinieren. Obwohl die Leistungen geringfügig schlechter waren als beim „alten“ Vierzylinder, wurde dennoch dem neuen Motor der Vorzug gegeben. Der Motor kam mit Normalbenzin aus und hing dank besserer Abstimmung gieriger am Gas. Auch das Laufverhalten - gerade bei höheren Drehzahlen - sprich Autobahnreisegeschwindigkeit, war kultivierter und entsprach mehr der Oberklasse als es der 4-Zylinder tat.   

 

 

 Facelifting 1979

Im Sommer des Jahres 1979 erfolgte dann das erste Facelifting. Dies ist erkennbar an den nun herumgeführten Stoßstangen, integrieten Nebelscheinwerfern, größeren Heckleuchten und überarbeiteten Scheinwerfern als auch Klarglasblinkern. Innen wurden die Armaturen überarbeitet, ein anderes Cockpit eingebaut und bessere Stoffe sorgten für höhere Qualität. Außerdem folgte eine Top-Ausstattung, als CD mit besonderem Velourstoff, Fondkopfstützen, Leseleuchten und Zigarettenanzündern hinten, sowie allerlei anderen Gimmicks, die den Audifahrer erfreuten. Nachteilig war vor Allem, daß die Kühlmitteltemperaturanzeige zugunsten einer Econ-Anzeige wegfiel. Im Oktober 1978 erschien dann auf der Dieselwelle der erste Fünfzylinderdiesel. Mit 70 PS nicht gerade reichlich motorisiert, war er dennoch mit einem Verbrauch von 6 bis 8 Liter Diesel reichlich sparsam und bot ansosnsten, da in allen Ausstattungsvarianten lieferbar, eine bequeme Langstreckenlimousine. Der Hubraum betrug 1986 ccm und reichte für eine Endgeschwindigkeit von 151 km/h. Kombiniert mit dem Fünfganggetriebe ließ sich der Spareffekt noch verbessern, die Spritzigkeit aber nicht gerade steigern. Der Audi 200 Um weiterhin in der Oberklasse mithalten zu können, folgte im September 1979 das neue Luxusmodell, der Audi 200. Der Unterschied waren die 15 Zoll fünfloch-Speichenfelgen, Chrom satt, Frontspoiler, die kleinen Rechteckdoppelscheinwerfer (mit schlechter Lichtausbeute) und der kompletten Luxusaustattung des CD mit Fensterhebern, Servolenkung und Zentralverrigelung. Einzige Motorisierung war anfangs der 136 PS Einspritzer mit 5 Gang Getriebe oder Automatik. Die Amarturen bestanden aus Drehzahlmesser, Öltemperaturanzeige, Econ-Anzeige und Kühlmitteltemperaturanzeige und waren nahezu komplett. Ein neues Lenkrad zusammen mit der verbesserten Fahrwerksabstimmung, sorgte für das richtige Fahrgefühl. Mit knapp DM 30.000,-- war dann schon die Preisbarriere in die Nobelklasse durchbrochen worden.   

 

 

 Auf der Basis des 200 T wurden 1981 50 Audis als Edelkombis umgebaut. Hersteller war meines Wissens nach die Firma Nothelle. Facelift 1981 1981 wurde dann nochmals der Audi 100 überarbeitet. Die Scheinwerfer wurden vergrößert, die Außenspiegel (vom kleinen Audi 80) und Stoßstangen (ebenfalls die Kunstoffteile vom 80er) verbessert, sowie kleinere Details verändert. Es folgte ein kleiner 100 PS Fünfzylinder mit 1921 ccm Hubraum und der 5 S würde höher verdichtet, so daß dieser nun Super benötigte. Auch wurden die Typbezeichnungen überarbeitet. Die Modelle hießen nun C, CL, GL, und als Sondermodell für Viertürer der CS. Auch gab es nun das langübersetzte 4+E Getriebe und die Formel E Start-Stopp Automatik mit Schaltanzeige als Extra.  

 

Im August 1982, nach sechs Jahren folgte dann der windschnittige Nachfolger, Typ 44, der nun endgültig dem Image von „Vorsprung durch Technik“ genügen sollte.

 

von Oliver Block http://www.audivorsprung.de

 

161195